2.3 Hochphase des Sammelns: Die französische Zeit
Henrike Stein
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Der Erwerb der bedeutenden Schürerschen Sammlung im ersten Jahr der Université de Cologne, organisée en École Centrale war der Auftakt einer Hochphase der Sammlungstätigkeit für das Physikalische Kabinett. Durch den Ankauf des Leiters Christian Kramp (1760–1826) hatte sich die Anzahl der physikalischen Instrumente im Jahre 1799 auf rund 800 Stücke mehr als verdoppelt. Er bezeichnete das neue Physikalische Kabinett während einer Festtagsrede als eine der vollständigsten Sammlungen der Französischen Republik.
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Als Folge des enormen Ausbaus der Sammlung wurde eine Vergrößerung der Räumlichkeiten für das Physikalische Kabinett im ehemaligen Jesuitenkolleg nötig. Der neue Sammlungsraum und der angrenzende Hörsaal boten einen Ausblick über den Botanischen Garten und das Rheinufer.
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Die Instrumente des Physikalischen Kabinetts waren ein maßgeblicher Bestandteil der naturwissenschaftlichen Lehre an der Zentralschule. Sie wurden für Experimente in den Fächern Mathematik und Physik genutzt, in welche die verschiedenen Bereiche der Naturwissenschaften wie Optik oder Mechanik eingegliedert waren. Kramp unterrichtete Mathematik, Physik und Chemie bis zum Jahr 1809, in dem er nach Straßburg zum Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der dortigen Akademie berufen wurde.
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Mit Kramps Leitung des Physikalischen Kabinetts ging eine Modernisierung des Sammlungsbestands einher. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte Donnerhäuschen nach Lind. Es handelt sich dabei um ein ca. 30 cm hohes hölzernes Modellhaus in naturalistischer Backsteinoptik. Mit diesem Haus konnten elektrische Versuche zur Funktion des Blitzableiters durchgeführt werden. Dabei wurde elektrische Ladung über die Messingkugel auf dem Dach durch Kabel in das Haus geleitet und wahlweise geerdet oder auch nicht, um die Auswirkungen eines Blitzes zu demonstrieren. Das Donnerhäuschen gehörte dem naturwissenschaftlichen Bereich der Elektrizität an, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts sowohl in Wissenschaft und Lehre als auch in der Sammlung stark an Bedeutung gewann.
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„Viennent ensuite les sciences plus élevées des Mathématiques, de la Chymie et de la Physique expérimentale. C’est ici, citoyens, le plus beau triomphe de l’esprit humain en général, et du dix-huitième siècle en particulier.“
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Blickt man über den regionalen Zusammenhang hinaus, lässt sich feststellen, dass das Kölner Kabinett mit anderen naturwissenschaftlichen Sammlungen der Zeit quantitativ und qualitativ ohne Weiteres konkurrieren konnte. Die großen Sammlungen (protestantischer) Universitäten wie zum Beispiel Leipzig oder Göttingen waren Anfang des 19. Jahrhunderts noch im Aufbau begriffen.
Anmerkungen
Empfohlene Zitierweise aus dem Beitrag:
Stein, Henrike, Hochphase des Sammelns: Die französische Zeit, in: Gersmann, Gudrun (Hrsg.), Das Physikalische Kabinett – Von der jesuitischen Lehrsammlung zum kulturellen Erbe, DOI: https://dx.doi.org/10.18716/map/00004, Publikationsumgebung mapublishing (2019), URL: hier Seiten-URL einfügen (zuletzt abgerufen am: Abrufdatum einfügen), ggf. für die stellengenaue Zitation „Abs.“ und Absatz-Nr. einfügen.
